Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsförderung

Unternehmen engagiert und erfolgreich

Der betriebliche Gesundheitsschutz und die betriebliche Gesundheitsförderung können wesentlich zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit beitragen. Jeder Arbeitgeber möchte, dass seine Mitarbeiter möglichst selten wegen Krankheit ausfallen, gesundheitlich fit, leistungsfähig und leistungsbereit sind sowie ohne Einschränkungen bis ins Rentenalter arbeiten können. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der Verlängerung der Lebensarbeitszeit und dem zunehmend schwerer zu deckenden Fachkräftebedarf unerlässlich.

Einen wesentlichen und erfolgreichen Beitrag hierzu leisten die Unternehmen im Rahmen des gesetzlich verpflichtenden Arbeits- und Gesundheitsschutzes, der der Bekämpfung betrieblich bedingter Ursachen von Krankheiten und Unfällen dient. Die Gesundheitsförderung ist hingegen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der sich eine zunehmende Zahl von Unternehmen mit vielfältigen Maßnahmen freiwillig beteiligt. Nach einer Betriebsbefragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) aus dem Jahr 2009 führen 42 Prozent der Betriebe ein betriebliches Gesundheitsmanagement durch bzw. befinden sich in der Planungsphase. Auch die Arbeitgeberverbände unterstützen diese Bemühungen. Der DSSV – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen hat zusammen mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsförderung die Initiative „Gesundheit im Betrieb selbst gestalten“ gestartet. (siehe weiterführende Links)

Der finanzielle Aufwand der Unternehmen für Prävention und Gesundheitsschutz ist erheblich: Von rund 11,1 Milliarden Euro, die im Jahr 2011 insgesamt für Prävention und Gesundheitsschutz eingesetzt wurden, brachten die Betriebe – neben Staat und privaten Haushalten – rund 4,7 Milliarden Euro bzw. 42 Prozent der Gesamtsumme auf.

Das Engagement der Unternehmen in den Bereichen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes und der betrieblichen Gesundheitsförderung zeigt sichtbare Erfolge: Die Arbeitsunfälle sind in Deutschland von 1995 bis 2012 um rund 43 Prozent gesunken, die Quote der Arbeitsunfälle je eine Million Arbeitsstunden ist im gleichen Zeitraum sogar um rund 50 Prozent zurückgegangen. Der Krankenstand der gesetzlich Versicherten bewegte sich im Jahr 2012 mit 3,6 Prozent auf einem der niedrigsten Niveaus seit Einführung der Lohnfortzahlung im Jahr 1970 und die Zahl der Arbeitnehmer, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, ist seit 1995 um 39 Prozent zurückgegangen (gemessen am Rentenzugang wegen verminderter Erwerbsfähigkeit).

Betriebliche Gesundheitsförderung hat Grenzen

Allerdings haben Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung auch Grenzen: Die Unternehmen können ihre Beschäftigten lediglich dabei unterstützen, die eigene Gesundheit zu stärken, z. B. mit gesundheitsgerechten Kantinenangeboten oder mit der Anleitung zu einem gesunden Lebensstil. Erzwingen können sie ein gesundheitsbewusstes Verhalten aber nicht. Letztlich bleibt jeder Einzelne für seine Gesundheit verantwortlich und gefordert, auf ungesunde Verhaltensweisen wie mangelnde Bewegung, falsche Ernährung, Genussmittelmissbrauch und eine unausgewogene Lebensweise in Bezug auf Entspannung und Erholung zu verzichten. Diese Verantwortung kann ihnen von Niemandem abgenommen werden.

Darüber hinaus müssen Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung in einem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen: Letztlich werden die Betriebe nur solche Angebote dauerhaft aufrechterhalten, durch die sich mit vertretbarem Aufwand tatsächlich ein verbesserter Gesundheitszustand der Belegschaft erreichen lässt. Nicht jedes Wellness-Angebot genügt diesem Anspruch. Bisher ist nur unzureichend untersucht worden, welche Maßnahmen im Sinne der Zielsetzung, die Gesundheit der Beschäftigten zu fördern, tatsächlich wirksam sind. Es sind weitere Kenntnisse erforderlich, um geeignete Angebote machen zu können.

Wesentlich für den Erfolg und die Akzeptanz von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung ist, dass sie freiwillig angeboten und von den Beteiligten vor Ort unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse des Betriebes entwickelt werden. Allein auf diesem Wege können die sehr unterschiedlichen betrieblichen Voraussetzungen und Möglichkeiten angemessen berücksichtigt werden.

Rahmenbedingungen verbessern

Wichtig ist auch, dass die Betriebe bei ihrem Engagement nicht alleine gelassen werden. Erforderlich sind eine bessere Kooperation und Vernetzung der im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung aktiven überbetrieblichen Akteure (Krankenkassen und Berufsgenossenschaften), die Erforschung der Wirksamkeit von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung einschließlich der Vermittlung dieser Erkenntnisse an die Betriebe sowie spezielle Angebote für kleine und mittlere Unternehmen. Zudem muss verhindert werden, dass die öffentliche Hand und die Sozialversicherungsträger das Engagement der Betriebe zum Anlass nehmen, ihre eigenen Aktivitäten im Bereich Prävention zu reduzieren.
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