Altersarmut

Abhängigkeit von Grundsicherung im Alter ist die Ausnahme

Altersarmut ist in Deutschland erfreulicherweise selten. Nur 2,6 Prozent aller über 64-jährigen waren am Jahresende 2011 auf Leistungen der Grundsicherung im Alter angewiesen. Wenn immer mehr Bürger die Angebote zur zusätzlichen Altersvorsorge nutzen, bestehen gute Chancen, dass Altersarmut – trotz sinkendem Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung – auch in Zukunft die Ausnahme bleibt.

Wer mindestens 65 Jahre alt ist und nicht über ausreichende Mittel zum Lebensunterhalt verfügt, hat Anspruch auf Grundsicherung im Alter. Diese Sozialleistung, mit der das Problem der „verschämten Altersarmut“ gelöst werden soll, wird sogar dann voll gewährt, wenn die Betroffenen ihre unterhaltspflichtigen Kinder in Anspruch nehmen könnten. Bezieher kleiner Renten erhalten zudem automatisch Antragsformulare vom jeweiligen Rentenversicherungsträger zugesandt, damit möglichst alle Berechtigten die Leistung auch tatsächlich beantragen.

Richtig ist, dass das Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung in den kommenden Jahren sinken wird. Hierzu gibt es keine Alternative, weil anderenfalls der Beitragssatz kräftig angehoben werden müsste. Nach dem Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung soll das Rentenniveau vor Steuern von 49,6 Prozent (2012) auf 46,0 Prozent im Jahr 2026 zurückgehen. Bereits durch Abschluss eines staatlich geförderten Riester-Vertrags kann dieser Rückgang jedoch voll kompensiert werden.

Mittlerweile fast 15,7 Millionen. abgeschlossene Riester-Verträge belegen, dass diese Möglichkeit auch genutzt wird. Um die verbleibende Versorgungslücke zu schließen, steht u. a. die betriebliche Altersvorsorge zur Verfügung. Inzwischen haben rund 17,3 Millionen Arbeitnehmer mindestens eine Betriebsrentenanwartschaft. Mit der im November 2007 beschlossenen dauerhaften Beitragsfreiheit der Entgeltumwandlung bestehen gute Chancen, dass diese Zahl weiter wachsen wird.


Arbeit ist die wirkungsvollste Vorsorge

Um Altersarmut zu vermeiden, sollte die staatliche Vermögensbildungspolitik noch stärker auf die Alterssicherung konzentriert werden. Andere vermögenspolitische Ziele (z. B. Mitarbeiterkapitalbeteiligung) müssen dahinter zurückstehen. Sinnvoll wäre zum Beispiel, die staatliche Riester-Förderung nicht nur denjenigen zu gewähren, die als Rentenversicherungspflichtige und Beamte ohnehin schon in einem obligatorischen Altersvorsorgesystem abgesichert sind, sondern – so wie von der Rürup-Kommission vorgeschlagen – allen Steuerpflichtigen. So sind vor allem die Selbstständigen bisher von der Riester-Förderung ausgeschlossen.

Das beste Mittel zur Verhinderung von Altersarmut ist und bleibt jedoch ein hohes Beschäftigungsniveau: Nicht nur, weil die künftige Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung davon abhängt, sondern vor allem, weil Arbeit die wichtigste Voraussetzung ist, um über die gesetzliche Rentenversicherung sowie ergänzend privat und betrieblich für das Alter vorsorgen zu können. Mehr Beschäftigung ist damit die wirkungsvollste Vorsorge gegen spätere Altersarmut.

Darüber hinaus können durch die schrittweise Verlängerung der Lebensarbeitszeit bis 2029 auf das 67. Lebensjahr, die der Gesetzgeber mit dem „RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz“ bereits beschlossen hat, zusätzliche Rentenanwartschaften erworben und die Abhängigkeit von Grundsicherung im Alter noch weiter reduziert werden.
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